Arbeitspakete

Arbeitspaket 1

Ziel dieses Arbeitspakets (AP) ist es Informationen über Agenzien zu sammeln und zu erarbeiten, die auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette (Futtermittel, Primärproduktion, Erzeugungsstufen der Lebensmittelherstellung, Handel) für einen bioterroristischen Angriff missbraucht werden könnten. Die Daten aus diesem Arbeitspaket sind als Grundlage für die Simulationen von BAT-Schadenslagen sowie von Interventionsmaßnahmen (AP3), für die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen (AP4) und für die Risikobewertung der BAT-Szenarien (AP5 und 6) unerlässlich.

Arbeitspaket 2

Um einen absichtlichen Eintrag von BAT-Agenzien in die Lebensmittelwarenkette möglichst schnell, sicher und mit hoher Empfindlichkeit erkennen zu können, sollen Nachweisverfahren hinsichtlich ihrer Eignung für verschiedene Matrizes identifiziert und angepasst bzw. etabliert werden. Diese Systeme können im Zusammenspiel mit epidemiologischen und computerbasierten Verfahren die Grundlagen für neue effektive Früherkennungsverfahren bilden. Des Weiteren soll eine Bestandsaufnahme eingesetzter amtlicher sowie betrieblicher Nachweisverfahren und -systeme erfolgen, in deren Anschluss die Methoden hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit zur Erkennung von BAT-Agenzien bewertet werden. Begleitend wird in einer weiteren Aufgabe auf Grundlage der gewonnenen Daten und Verfahren ein Konzept zur analysetechnischen Früherkennung von BAT-Agenzien innerhalb der verschiedenen Bereiche der Warenkette Rind erarbeitet.

Arbeitspaket 3

Ziel des Arbeitspaketes ist die Erstellung eines Simulationsprogramms zur Prognose der raumzeitlichen Ausbreitung von BAT-Agenzien auf den Warenketten Rind- und Kalbfleisch sowie Kuhmilch. Das Simulationsprogramm integriert die in diesem Arbeitspaket erarbeiteten Informationen und stellt den Arbeitspaketen AP4 (Entwicklung von Präventionsmaßnahmen), AP5 und AP6 (Risikobewertung von BAT-Szenarien) und der Dienste-Plattform entsprechende Funktionalitäten zur Verfügung.

Arbeitspaket 4

Ziel des Arbeitspakets 4 ist es, ein Modell zum krisenbedingten Daten- und Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen öffentlichen und privaten Entscheidungsträgern der Warenkette auf die Situation bio- und agro-terroristischer Ausnahmesituationen (BAT-Szenarien) anzuwenden.

Im Rahmen des Präventions- und Krisenmanagements von BAT-Szenarien müssen zeitkritische Entscheidungen getroffen werden. Weil Entscheidungen auf der Verarbeitung von Informationen und Daten basieren, führt ein Informationsgewinn dazu, dass schneller und besser Entscheidungen getroffen werden können und sich damit die Möglichkeit ergibt, die Krise zu verkürzen und in ihrer Auswirkung abzuschwächen. Im Falle eines terroristischen Aktes in der Warenkette Rind müssten dazu Daten innerhalb der Warenkette, zwischen Behörden und zwischen Privatwirtschaft und Behörden ausgetauscht werden. Insbesondere beim Datenaustausch zwischen Privatwirtschaft und Behörde besteht jedoch eine Diskrepanz zwischen der Notwendigkeit des schnellen und gezielten Datenaustausches einerseits und den Vorbehalten bezüglich Vertraulichkeit und Schutz der Daten andererseits.
Mittels einer Simulation der Kommunikationsstrukturen in Warenketten sollen die Auswirkungen des veränderten Daten- und Informationsaustauschs auf den Krisenverlauf quantifizierbar gemacht werden. Außerdem wird eine Software-Schnittstelle spezifiziert, die den Datenaustausch mit der BAT-Informations- und Dienste-Plattform ermöglicht.

Arbeitspaket 5

Das Arbeitspaket 5 charakterisiert mögliche Gefährdungen im Bereich der Futtermittelkette, die bei der Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft einen wesentlichen, bisher aber wenig beachteten Anteil des Gefahrenpotenzials bioterroristischer Angriffe repräsentiert. Die Vision des Arbeitspakets 5 ist, die Futtermittelkette gegenüber potenziellen bioterroristischen Angriffen sicherer zu machen. Das Arbeitspaket gliedert sich zu diesem Zweck in drei Aufgaben, die sich der Charakterisierung infrage kommender Agenzien und der damit verbundenen Risikoabschätzung, den möglichen Konsequenzen des Ausfalls von Infrastrukturen sowie der Entwicklung von Alternativszenarien und den technologischen und ernährungsphysiologischen Aspekten der Dekontamination von Futtermitteln widmen.

Arbeitspaket 6

Die umfassende Bewertung realistischer BAT-Szenarien in Lebensmittelwarenketten muss alle relevanten Einflussgrößen berücksichtigen. Dies sind neben dem Erreger- und Toxinverhalten beim Tier und im Lebensmittel (AP1), den Möglichkeiten zum Erregernachweis (AP2) und den überbetrieblichen Logistikstrukturen (AP3) v. a. auch die Eintragsquellen, die Verarbeitungsprozesse (und deren Prozessparameter) sowie die Eigenschaften der Lebensmittel selbst. Insbesondere muss berücksichtigt werden, dass bestimmte Agenzien (Zoonoseerreger) beim Tier keinen erkennbaren Schaden verursachen, durch Weitergabe in die Lebensmittelkette die Gesundheit und das Leben von Menschen aber gefährden können. Um Schutz-, Früherkennungs- und Begrenzungsmaßnahmen vergleichend bewerten zu können, müssen zudem auch ökonomische Aspekte der Herstellungsprozesse sowie die Relevanz des Produktes (Art und Häufigkeit des Verzehrs) für den Verbraucher beachtet werden.

Ziel des AP6 ist es, für drei ausgewählte Agenzien-Klassen umfassende Szenarienanalysen zu erstellen. Dazu wird das Wissen zu mikrobiell relevanten Lebensmittel-Prozessparametern und -ketten gebündelt und für Modellierungen aufbereitet. Parallel dazu werden drei Softwaremodule entwickelt, die in die BAT-Informations- und Dienste-Plattform (AP7) als eigenständige und integrierte Dienste eingebunden werden. Abschließend wird in diesem Arbeitspaket eine integrative Analyse zu den o. g. Agenzien-Klassen durchgeführt.

Arbeitspaket 7

In AP7 werden die Anforderungen an eine BAT-Informations- und Dienste-Plattform erfasst, eine adäquate Systemarchitektur, die die Einbindung der verschiedenen beteiligten Teilsysteme berücksichtigt, entworfen und deren Machbarkeit in Form eines  Demonstrators gezeigt.

In einem ersten Schritt werden die Anforderungen analysiert und ein Szenario zur integrierten Nutzung der angeschlossenen Daten- und Dienste-Provider definiert. Hierbei werden unter Einbeziehung der Ziele und Ergebnisse der ersten Aufgaben der Arbeitspakete 1 bis 6 technische Vorgaben und Lösungen zur Integration der fachspezifischen Informationssysteme erarbeitet und mit den jeweiligen Arbeitspaketen abgestimmt. Ziel ist die Entwicklung einer generischen Lösung für die Integration strukturierter Datenquellen.

Hinsichtlich der nachhaltigen Systempflege, Nutzung und Erweiterbarkeit ist eine reine Integration bzw. Standardisierung der verschiedenen Datenquellen und Formate jedoch keine adäquate Lösung. Deshalb werden Lösungen erarbeitet, die es Dienste- und Informationsanbietern auch nach Projektabschluss ermöglichen, mit geringem technischem Aufwand ihre Expertise in die BAT-Informations- und Dienste-Plattform einzubinden und bereitzustellen. Hierbei müssen auch die unterschiedlichen Nutzungsprofile im regulären Betrieb und im Falle einer Katastrophe berücksichtigt werden.

Grundlegende Intention von AP7 ist es, eine sich sowohl inhaltlich, technisch als auch wirtschaftlich selbst tragende Plattform zu entwickeln, was über den reinen technischen Integrationsaspekt hinausgeht. Dazu ist es zwingend erforderlich, endnutzerorientierte Lösungen zu entwickeln. Durch die aktive Einbindung der assoziierten Projektpartner der Lenkungsgruppe als potentielle Technologie-Endnutzer in die Erstellung des Anforderungskataloges wird dieser Anforderung Rechnung getragen. Des Weiteren wird im Rahmen von AP7 die hierzu notwendige Kommunikation zur internen und externen Synchronisation mit relevanten internen und externen Interessengruppen geführt. Somit unterstützt AP7 den Verstetigungsgedanken von AP8.

Arbeitspaket 8

Im AP8 des Verbundprojekt SiLeBAT werden Konzepte und Lösungen entwickelt, um die langfristige Fortführung und Weiterentwicklung der im Projekt entwickelten Datenbanken, Methoden und Systeme sicherzustellen. Diese Aufgabe ist insbesondere deshalb von zentraler Bedeutung, da durch die Einbindung der wichtigsten Wirtschaftsverbände aus dem Lebensmittelbereich und der Vertreter der Bundesländer bereits im Vorfeld eine breite Unterstützung für die Projektziele erreicht werden konnte, die eine besondere Verpflichtung zur Entwicklung nachhaltiger Lösungen beinhaltet.